Skip to content Skip to sidebar Skip to footer

KEINE HIRMEREI

Dennoch sieht weder der Stadtrat noch der Bezirksausschuss einen Grund, die Planung weiterer Wohnquartiere (mit jeweils Hunderten neuer Wohneinheiten!) zu drosseln und erst mal ein vernünftiges Gesamtkonzept für Verkehr und Infrastruktur bei uns am Stadtrand zu erstellen. Für die landwirtschaftlichen Flächen am nördlichen Ende der Eversbuschstraße (direkt am S-Bahnhof Karlsfeld) wurde bereits der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan getroffen, der die Aufnahmefähigkeit der vorhandenen Infrastruktur (Verkehr, Schulen) schlicht als gegeben voraussetzt und und die nähere Vorhabenplanung einem Auslobungswettbewerb des Investors überlässt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat im Herbst 2019 eine von der Hirmer-Immobiliengesellschaft eingesetzte Jury einen urbanen und auf Maximalbebauung ausgerichteten Quartiersentwurf für „kollektives Wohnen“ zum Sieger erklärt, der als „Hirmerei“ alle unmittelbar oder mittelbar Betroffenen wirklich fassungslos macht (siehe www.hirmerei.de).

Weder die Bebauung noch selbst ein einmal beschlossener Bebauungsplan lässt sich wieder rückgängig machen. Es fehlt aber nach wie vor an einem Verkehrskonzept für Allach-Nord und Karlsfeld, wie das mit dem lokalen und dem überregionalen Kraftverkehr künftig überhaupt noch bewältigt werden kann.

Reine Augenwischerei ist die Vorgabe des Aufstellungsbeschlusses, der Bebauungsplan müsse für eine vielleicht dann irgendwie mögliche Entlastungsstraße eine „Trasse freihalten“, obwohl alle Planer angesichts der fehlenden Anbindungsmöglichkeit (Nordseite: Privatgelände mit unverzichtbarem P+R-Parkplatz, Südseite: Tunnel der Otto-Warburgstraße) von vornherein keinen Sinn darin sehen und eine Weiterführung Richtung Ludwigsfelder Straße unmöglich bzw. absolut unrealistisch wäre (wegen der Bahngleise und des Allacher Forstes entstünden wahnwitzigen Kosten für Brücken- oder Tunnellösungen!).

Es fehlt nicht zuletzt ein ökologisches und städtebauliches Gesamtkonzept für die stadtrandnahen Gebiete im Nordwesten und zur Begrenzung der maßlosen Bautätigkeit und Nachverdichtung. Von Aubing bis Feldmoching durchgehend das Gleiche: Der wohnungswirtschaftliche Druck und das Profitinteresse von Investoren verleiten zur Maximalbebauung. Dabei aber verlieren Stadtviertel ihre Qualität, deren besonderer Charakter unsere Stadt und das Leben seiner Bewohner prägt. Immer mehr Areale und Flächen werden besinnungslos drangegeben, obwohl die Infrastruktur nicht mithalten kann, die aufgelassenen Grünflächen als Sauerstofflieferanten und Windschneisen fehlen und die regionale Landwirtschaft vor die Hunde geht. Viele der Ideen für die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, der Abfangung des Pkw-Pendlerverkehrs an der Stadtgrenze und ein leistungsfähiges Rad-Schnellwegenetzes könnten daran scheitern, dass genau bei uns die entscheidenden Flächen fehlen.